25.02.2021 - Mercedes-Dieselskandal: Gutachten stellt Abschaltmanipulationen fest

Mercedes sieht sich mit dem nächsten Problem konfrontiert: Der Bayerische Rundfunk berichtete über ein Gutachten, das sich mit der Motorsteuerungs-Software eines Mercedes-Benz E250 CDI Euro 5 mit dem bekannten Skandalmotor OM651 befasste. Das Gutachten, welches unserer Kanzlei vorliegt, kommt zu dem klaren Ergebnis, dass die Motorsteuerung „die niedrige benötigte Motorleistung“ auf dem Teststand erkenne und damit die Abgaswerte manipuliere.

Gutachten durch gerichtlich bestellten Sachverständigen in Verfahren gegen Daimler vor dem Landgericht Stuttgart

Eingeholt wurde das Gutachten durch einen gerichtlich bestellten Sachverständigen, im Zuge eines Verfahrens vor dem Landgericht Stuttgart im Mercedes-Dieselskandal. Streitgegenständlich ist ein Mercedes-Benz E250 CDI Euro 5 mit dem bekannten Skandalmotor OM651 (Baujahr 2013). Besonders an diesem Verfahren ist, dass zur Überprüfung der Motorsteuerungs-Software ein IT-Experte beauftragt wurde. Das Ergebnis ist ein Albtraum für die Daimler AG.

Zwei Abschalteinrichtungen: "Kühlmittel-Sollwert-Temperaturregelung" und "Kühlerjalousie"

Die Analyse ergab, dass das Fahrzeug „die niedrige benötigte Motorleistung“ auf dem Teststand erkennt, wenn der Prüfzyklus (NEFZ) durchfahren wird. Die Kühlmittelsolltemperatur wird von den üblichen 100 Grad auf 70 Grad Celsius heruntergesetzt, was zu besseren NOx-Werten führt, da die Menge schädlicher Abgase auf dem Prüfstand verringert wird. „Die Deaktivierung erfolgt nach fünf Sekunden Betrieb über den formellen NEFZ-Bedingungen, wobei der umweltschädliche Modus für 54 Minuten aktiv ist. Zusätzlich stellte der Gutachter fest, dass auf dem Prüfstand eine dauerhafte Öffnung der Kühlerjalousie stattfindet und damit weitere NOx-Reduzierung bewirkt“, erläutert Rechtsanwalt Dominik Wawra. „Das Gutachten bestätigt eindeutig, dass Daimler manipuliert hat. Betroffene Fahrzeughalter können Ansprüche wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung gegen Daimler geltend machen.“

Auch Abgasexperte von der TH Aschaffenburg sieht illegale Abschalteinrichtung

Abgasexperten Professor Kai Borgeest von der Technischen Hochschule Aschaffenburg sieht in dem Gutachten einen Beleg für eine unzulässige Abgasmanipulation: „Die nachgewiesene Abschalteinrichtung kann dazu führen, dass die Stickoxid-Emissionen im Straßenverkehr die am Prüfstand gemessenen Emissionen erheblich übersteigen.“ Da diese Funktion nicht zum Schutz des Motors notwendig ist, ist sie unzulässig.

Chancen auf Schadensersatz nochmal gestiegen

Genau diese Kühlmittel-Solltemperatur-Regelung hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in einem Rückruf bereits bemängelt. Die Kühlmittel-Sollwert-Temperaturregelung sorgt auf dem Prüfstand dafür, dass der gesamte Kühlkreislauf möglichst lange kühl gehalten wird, was eine unzulässige Abschalteinrichtung darstellt. „Der Europäische Gerichtshof hat in seinem Urteil vom 17.12.2020 in aller Deutlichkeit entschieden, dass Abschalteinrichtungen wie Thermofenster bei der Abgasreinigung in Dieselfahrzeugen oder auch Kühlmittel-Sollwert-Temperaturregelungen bzw. dauert geöffnete Kühlerjalousien grundsätzlich unzulässig sind,“ sagt Rechtsanwalt Dominik Wawra.

„Der Gutachter stellte auch fest, dass alle Dokumentationen, die er sich besorgt hatte, die gleichen Werte und Angaben beinhalten. Da sich dies auf zahlreiche Euro 5- und Euro 6-Diesel der Daimler AG bezieht, hat das Gutachten immense Auswirkungen im Dieselskandal", betont Anwalt Dr. Gerrit W. Hartung. „Viele der Mercedes-Benz Diesel sind mit illegalen Abschalteinrichtungen ausgestattet, wobei besonders die Motoren des Typs OM651, OM622, OM626, OM607 und OM642 betroffen sind. Mercedes kann sich nur noch schwer aus der Verantwortung stehlen und geschädigte Käufer haben daher große Chancen, von der Daimler AG wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung Schadensersatz zu erhalten,“ resümiert Rechtsanwalt Dominik Wawra.


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